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Fuckparade/Hateparade 2001 - Bericht


"Bereits zum 5. Mal steigt in diesem Jahr die Fuckparade, die '97 als Hateparade und als Pendant zur mehr und mehr unpolitisch gewordenen Love Parade ins Leben gerufen wurde. Einst das Aschenputtel der Paraden, wird sie spätestens dieses Jahr zum Phönix aus der Asche und vereint die Kräfte der Berliner Club- und Subkultur, die sich - wie sie meinen - nicht damit abfinden
mögen auf einem von Sponsoren-Bannern überhängten 18-Tonner durch bierverpeilte Ballermänner zu kriechen."

 
Hm..ja.. so stands jedenfalls in der letzten Ausgabe des [030]-Stadtmagazins. Entgegen aller Hoffnungen und Erwartungen stand am Abend des 12.7.2001 (Donnerstag) fest: Die Fuckparade wird nicht als Demonstration anerkannt. Und das obwohl das Verwaltungsgericht erst eindeutig den Demonstrationsstatus anerkannte. Dagegen klagte jedoch die Versammlungsbehörde vorm Oberverwaltungsgericht und bekam unerklärlicher Weise Recht, wohingegen die Fuckparade sich zum Bundesverfassungsgericht aufmachte und einen Eilantrag zur Durchführung der Demo stellte.
 
Martin Kliehm (Trauma XP, Mitorganisator der FP) :
Insgesamt hat das oberste Gericht enttäuscht: Statt einer eigenen, differenzierten Betrachtung verweist das BVerfG darauf, daß es "dem  Bundesverfassungsgericht im Eilverfahren grundsätzlich verwehrt" sei,  "seine Beurteilung an die Stelle der von orts- und sachnäheren  Fachgerichten vorgenommenen zu stellen". Die rechtliche Einordnung als Versammlung stünde allein den dazu berufenen Gerichten zu. In den  vorliegenden Fällen seien die rechtlichen Bewertungen jedenfals nicht offensichtlich fehlerhaft. Die rechtliche Bewertung könne abschließend  nur im Hauptverfahren, nicht im Eilverfahren geklärt werden. Realitätsfremd ist die abschließende Bemerkung, auch der Fuckparade  bleibe die Möglichkeit, eine Sondernutzungsgenehmigung zu beantragen.  "Deren Erteilung sollte nicht allein aus zeitlichen Gründen versagt  bleiben". Eine kostenneutrale Sondernutzungsgenehmigung in nur einem Tag? Damit wurde der Fuckparade ihr Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit verwehrt. Durch die Form eines "Straßenfestes" werden die politischen Ziele verwässert, auch gibt es erhebliche Gebühren, die an die Behörden zu entrichten sind, wodurch uns ein öffentliches Vortragen unseres Anliegens unmöglich gemacht würde. Künftig gibt es also ein Demonstrationsrecht nur noch für reiche Konzerne?
 
Artikel auf den Seiten des Bundesverfassungsgerichtes
 
Kurzfristig meldeten die Organisatoren dann eine Spontandemo vom "U-Bahnhof Frankfurter Tor über den Alex bis zur Volksbühne" für
Demonstrationsfreiheit und gegen das Verbot der Fuckparade an. Auflagen waren klar : keine Trucks, keine PA. Soll heißen "Old-Scool-Demo" mit Bannern, Trillerpfeifen, Sprechchören etc..
Am Samstag dann schließlich waren die 3 ursprünglichen Startpunkte der Fuckparade (Bunker, Mauerpark, Heinrichplatz) von Polizei "gesichert" (über Kreuzberg sollen sogar 2 Polizeihelicopter gekreist sein). Sie verteilten Flyer mit der Aufforderung an die Demo-Teilnehmer, sich an die Auflagen zu halten. Diese würden strengstens überwacht und durchgesetzt. Daß dann aber das Verbot von Soundanlagen so interpretiert wurde, selbst billige Ghettoblaster zu konfiszieren ist mir nicht ganz klar. Und als sich dann nach dem Marsch doch noch ein Lkw mit ner kleinen Anlage einfand zeigte ein niedriger Vorgesetzter aus den uniformierten Reihen wenig
Fingerspitzengefühl, als er die PA kurzerhand "funktionsuntätig" machen ließ.
 
Klar, daß dann wieder 'n paar Idioten dabei waren, die mit Steinen und Flaschen warfen. So kam es halt zu Auseinandersetzungen, die aber im Nachhinein von offizieller Seite als harmlos bezeichnet wurden. Ziemlich ungeschickt während dieser Ereignisse war es wohl auch, Polizeigruppen mit Schild und Rüstung über die Wiese stürmen zu lassen, auf der friedliche Menschen saßen. Das wirkt glaub ich eher nicht so "deeskalierend".
 
Bevor es soweit war, gab es aber noch eine "Abschlusskundgebung". Angeführt von einer beeindruckenden "Blaulicht-Show" durch einige... einige viele Einsatzwagen erreichten dann 3000-4000 Demonstranten die Berliner Volksbühne, von wo aus die live-Übertragung einiger Fuckparade-DJs durch den Radiosender Fritz stattfand (14.00 - 18.00 Uhr). Ursprünglich draußen auf dem Platz begonnen, wurde das Ganze aber recht schnell, spontan und ziemlich unfreiwillig in die Volksbühne verlagert.
(Die versaun' einem aber auch jeden Spass, die Bul..izei). Da hatten dann die DJs und Radiomitarbeiter ne nette Party, hoff ich.. der Rest durfte jedenfalls nich rein, hm...
 
Dann war auch offiziell Schluß.
Am Abend gabs wieder Fuckparadeparties (gibts noch bis einschließlich 19.7. im Nontox), wo es teilweise wieder zum Kräftemessen zwischen einigen Autonomen (oder einfach nur Besoffenen) und leider auch einigen recht aggressiven Staatsangestellten kam.
  
Wer sich mehr für die Fuckparade interessiert: 
In der Frontpage (Kulttechnomagazin..gibts auf einmal wieder..) steht ein interessantes Interview mit Wolle XDP und Tanith.
Vielleicht stelln wir das noch ins Netz, weil viele das Mag wohl nich haben. 
 
Auch auf Techno.de ist ein Interview mit Wolle XDP.
Interview mit Wolle XDP zum Thema Fuckparade
Interview mit Wolle XDP zu seiner Person und DJ
 
 
In der "taz" vom Samstag erschien ein Artikel über die Fuckparade. "In weiten Teilen ist der Artikel okay, aber er verfällt dem Klische, dass alle Gabbas Faschos wären:" (Zitat. Trauma XP)  "Auf der sich als linke Demo begreifenden Fuck Parade schließlich fahren DJs und Organisationen mit, die offen sexistisch oder rassistisch sind. Nicht wenige Vertreter der Gabba-Szene behaupten etwa, dass Musik, "zu der Frauen tanzen können", keine gute Musik sein könne."
 
Artikel in der "taz
"

Jan

 


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